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Vegane Ernährung von so genannten Haustieren

 

Andrew Knight BSc. (Vet. Biol.), BVMS, MRCVS

Veterinarian

www.AnimalConsultants.org

 

Updated: 20 Mai 2008 

 

Ausführliche Dokumentationen berichten über den gewaltsamen Tod und das Leid von ca. fünfzig Billionen Hühnern, Schweinen, Schafen, Kühen, und anderen Tieren (sowohl aus so genannter Massentier- und Freilandhaltung), Millionen von Fischen (aus so genannter Massentierhaltung und so genannten Wild-Fängen), die jährlich geschlachtet werden, um die Gier einiger Menschen nach so genanntem Fleisch zu befriedigen. Auch die schädlichen Auswirkungen dieser Ausbeutungsformen von Tieren auf unsere Umwelt sind ebenso bekannt (Infos unter www.VeganOutreach.org).

 

Die Entwicklung veganer Tiernahrung ist zurückzuführen auf ethische Belange einer wachsenden Population von VegetarierInnen/VeganerInnen als auch auf medizinische Gründe wie Allergien, hervorgerufen durch so genanntes Rind-, Lammfleisch und anderen Zutaten tierleichenteilhaltiger Nahrung. Dennoch bleibt vegane Tiernahrung ein kontrovers diskutiertes Thema, dass durch die Ignoranz der gesundheitlichen und ernährungswissenschaftlichen Aspekte – selbst unter TierärztInnen und TierschützerInnen –  erschwert wird.
 

Gesundheitsrisiken einer tierleichenteilhaltigen Nahrung

Gesundheitsrisiken für Hunde und Katzen (und natürlich auch für die dafür ausgebeuteten und ermordeten so genannten Nutztiere) in Verbindung mit kommerzieller tierleichenteilhaltiger Nahrung sind beträchtlich und schwer zu vermeiden. Diese Nahrung stellt eine beträchtliche industrielle Abfallbeseitigung für so genannte Schlachthausabfälle dar, so genanntes Fleisch von toten, sterbenden, kranken oder verstümmelten Tieren, so genanntes altes/verdorbenes Fleisch, eine große Anzahl von euthanasierten Hunden und Katzen aus Tierheimen, abgestandenes Fett von Restaurants einhergehend mit einer hohen Konzentration von gefährlichen freien Radikalen und gesättigten Fettsäuren, so genannter beschädigter/verdorbener Fisch, zusammen mit gefährlichen Anteilen an Quecksilber, PCBs und anderen Giften. Die daraus hergestellte Tiernahrung wird durch die Zugabe von herausgeschnittenen Organen aus den Leichen von ermordeten Hühnern (so genannte Geschmacksstoffe) schmackhaft gemacht. 95% der so genannten Haustiere in USA werden in erster Linie von kommerzieller tierleichenteilhaltiger Nahrung ernährt (Perry, 1996), was der US Tiernahrungsindustrie jährlich mehr als 11 Billionen Dollar einbringt (API, 2002).

 

Krankheitserregende Bakterien, Protozoen, Viren, Pilzen und Prionen und die mit ihnen einhergehenden Endotoxinen und Mycotoxinen, Hormone und Rückstände von Antibiotika und gefährliche Konservierungsmittel einhergehend mit kommerzieller tierleichenteilhaltiger Nahrung stellen auch wichtige Gefahren für die Gesundheit von Hunden und Katzen dar.

 

In wissenschaftlicher Literatur wird als Langzeitfolge einer Ernährung mit tierleichenteilhaltiger Nahrung über Erkrankungen der Nieren, Leber, Herz, Augen, Muskeln, Haut, Schädigung des Nervensystems sowie Geburtsdefekte und infektiöse Erkrankungen berichtet (DiBartola et al. 1993, Dow et al. 1989, Freytag et al. 2003 und Strieker et al. 1996).

 

Als praktizierender Tierarzt stimme ich zu, dass die so genannten degenerativen Krankheiten wie Krebs, Nieren-, Leber- und Herzerkrankungen viel verbreiterter sind als sie sein sollten und, dass viele dieser Erkrankungen wahrscheinlich durch die zahlreichen gefährlichen Inhaltsstoffe von kommerzieller Tierleichenteilhaltiger Nahrung verschlimmert oder direkt verursacht werden.

 

Nierenerkrankungen sind z.B. eine der drei meisten Todesursachen und werden verstärkt durch den hohen Proteingehalt, was die Nieren belastet (Di Bartola et al., 1993) und die schlechte Qualität der Inhaltsstoffe in der meisten kommerziellen tierleichenteilhaltigen Nahrung. Unbehandelt kommt es möglicherweise zu einem systematischen Toxinenaufbau, was zu Appetitverlust, Urämie (Nierenversagen mit Harnvergiftung), Erbrechen, Störungen des Nervensystems, und Tod führt.

 

Die ernsthafte und potentiell tödlich endende Überfunktion der Schilddrüsen bei Katzen tauchte das erste mal in den 70iger Jahren auf, als tierleichenteilhaltige Dosennahrung auf dem Markt erschien, möglicherweise in Verbindung zu bringen mit dem übermäßigen Jodgehalt in der Nahrung (Smith, 1993).

  

Vegane Nahrung von Hunden und Katzen

Andererseits sind Vorteile der veganen Ernährung eine Verbesserung des Allgemeinbefindens und der Vitalität; rückläufiges Auftreten von Krebserkrankungen, Infektionen, Schilddrüsenunterfunktion, Parasiten (Flöhe, Zecken, Läuse und Milben), gesundes Fell, weniger Allergien und Vermeidung von Übergewicht, Rückgang von Arthritis, Diabetis, und grauem Star sowie verbesserter Kotgeruch (Gillen 2003, Peden 1999, PETA 1994).

 

Hunde können aufgrund ihrer Fähigkeit sich in einer natürlichen Umgebung von pflanzlicher und tierlicher Nahrung ernähren zu können biologisch als Omnivore klassifiziert werden. Katzen dagegen zählen zu den Carnivoren, da ihre evolutionsbedingte, anatomische, physiologische und biochemische Anpassungen an einen carnivoren Lebensstil in einer natürlichen Umgebung verhindern Nutzen/Vorteile aus pflanzlicher Nahrung zu ziehen. Sowohl Katzen als auch Hunde, die in Freiheit leben, konsumieren pflanzliche Nahrung, in erster Linie aus dem Verdauungstrakt ihrer Beutetiere.

 

Dennoch, entgegen weit verbreiteter Vorurteile gegen vegane Tiernahrung für Hunde und Katzen, sogar unter (schlecht informierten) TierärztInnen und erfahrenen TierschützerInnen, gibt es keinen wissenschaftlichen Grund warum eine Ernährung, die ausschließlich aus Pflanzen, Mineralien und synthetisch hergestellten Bestandteilen besteht, nicht alle Anforderungen an Geschmack, Nährstoffbedarf und biologische Verfügbarkeit der Spezies, für die sie bestimmt ist, erfüllen soll. Tatsächlich gibt es bereits verschiedene kommerzielle vegane Tiernahrungsmittel, die allesamt eine gesunde Population tausender veganer Katzen, Hunde und Frettchen (die in der Natur auch carnivor leben) über viele Jahre hinweg unterstützt (Weisman, 2004).

 

Zuverlässige Qualitätskontrollen mit regulären Laboranalysen sollten zwecks Sicherstellung der Erfüllung dieser Anforderungen durchgeführt werden.

  

Gesundheitsvorsorge

Korrekte Einhaltung der Anweisungen für eine mit entsprechenden Nährstoffen angereicherten Nahrungsmittelergänzung und einer vollwertigen veganen Nahrung ist unerlässlich, um Herzkrankheiten und andere Krankheiten zu verhindern und die Gesundheit der Tiere zu sichern. Genauso wichtig sind regelmässige PH-Untersuchungen des Urins, um die Alkalisierung im Urin festzustellen, welche mit ihrem konsequenten Potential für Harnsteine und Infektionen - evtl. verursacht durch eine vegane Ernährung - bei einer kleinen Minderheit auftreten kann.

 

Alkalischer Urin kann mit Säure bildender pflanzlicher Nahrung beeinflusst werden wie Spargel, Erbsen, Brauner Reis, Hafer, Linsen, Kichererbsen, Mais, Rosenkohl, weißer Gänsefuß, die meisten Nüsse (ausser Mandeln, Kokosnusss und macadamia nuts), Getreide (keine Hirse) und Seitan. Ernste Fälle brauchen Vitamin C, Methionin, Natriumbisulfat oder Ammoniumchlorid. Bei Blockierungen des Urinaltraktes sollte der Magnesiumgehalt der Diät gesenkt werden, die Urinproduktion durch salzige Nahrung (nicht bei Herzkrankheiten) erhöht werden.
 

Umstellung auf vegane Ernährung

Einige Katzen und Hunde sind süchtig nach kommerzieller tierleichenteilhaltiger Nahrung, was an dem Zusatz von so genannten Geschmacksstoffen (meist halb gelöste Eingeweide von ermordeten Hühnern) liegt. Die Small Animal Clinical Nutrition schrieb: Die Geschmacksstoffe sind vermutlich die wichtigsten Faktoren der letzten Jahre. Besonders bei Katzen, aber auch bei Hunden kommt es wesentlich auf die Schmackhaftigkeit der Trockennahrung an,” (Lewis u.a., 1987).

 

Eine Umstellung auf vegane Ernährung kann sich aus vorgenannten Gründen oftmals schwierig gestalten und kann nur mit Geduld und Beharrlichkeit erfolgreich durchgeführt werden, insbesondere bei wählerischen Katzen. Möglicherweise muss zu Beginn sämtliche Nahrung (KEIN Wasser!) für einen Tag zurückgehalten werden. Das regt den Appetit an ohne dass das Tier dabei zu Schaden kommt. Es könnte notwendig sein, die Nahrungsumstellung schrittweise vorzunehmen, z.B. indem bis zu mehreren Wochen (oder länger) die vegane Nahrung der tierleichenteilhaltigen Nahrung untergemischt wird, z.B. für einige Tage 90% der alten Nahrung mit 10% der veganen Nahrung, danach für einige Tage 80% zu 20% usw.

 

Eine schrittweise Umstellung wird in schwierigen Fällen besser angenommen. und erlaubt auch einen angebrachten Übergang der Verdauungsenzyme und der Darmflora (Bakterien). Dadurch wird die Chance von Magen-Darm-Problemen wie Durchfall auf ein Minimum reduziert.

 

Die Menschen, die den bei ihnen lebenden Tieren vegane Nahrung anbieten, sollten mit ihrem Verhalten demonstrieren, dass sie die vegane Nahrung als völlig normal und geniessbar ansehen, ohne viel Aufhebens darüber zu machen. Sie sollten sich keine Sorgen machen, wenn die Tiere anfangs um die vegane Nahrung herum essen. Die vegane Nahrung sollte sich in unmittelbarer Nähe der gewohnten tierleichenteilhaltigen Nahrung befinden, damit sich das Tier damit vertraut machen kann. Das gründliche Vermischen (ggf. pürieren) der veganen Nahrung mit der tierleichenteilhaltigen Nahrung kann hilfreich sein, genauso wie die Gabe von gut riechenden und leckeren Zusätzen wie Hefe, Pflanzenöl, Nori-Flocken und Spirulina. Leichtes Erhitzen der Nahrung kann auch hilfreich sein. Nahrung, die nicht gegessen wurde sollte entfernt werden, ausschliesslich frische Nahrung sollte angeboten werden.

 

Die wichtigsten Faktoren einer Umstellung auf vegane Nahrung bei wählerischen Tieren sind eine schrittweise Umstellung und Beharrlichkeit. Mit Hilfe dieser beiden Prinzipien war es möglich die eigensinnigsten Katzen und Hunde erfolgreich auf eine vegane Nahrung umzustellen. Vegane Rezepte sind zu beziehen über Peden (1999) und Gillen (2003) und den Lieferanten www.VegePet.com und www.VeganCats.com, in Europe von www.aminews.net.

 

Literaturnachweise 

·        Animal Protection Institute(API). What is REALLY in your pet's food?: you may not want to know. Revised 29 Jan. 2002. abc12.com WJRT-TV/DT. 17 May, 2004. http://abclocal.go.com/wjrt/news/051004_CO_r2_pet_food.html.

·        DiBartola SP, Buffington CA, Chew DJ, McLoughlin MA, Sparks RA. Development of chronic renal disease in cats fed a commercial diet. J Am Vet Med Assoc. 1993 Mar 1;202(5):744-751.

·       Dow SW, Fettman MJ, Curtis CR, LeCouteur RA. Hypokalemia in cats: 186 cases (1984-1987). J Am Vet Med Assoc. 1989 Jun 1;194(11):1604-8.

·       Freytag TL, Liu SM, Rogers QR, Morris JG. Teratogenic effects of chronic ingestion of high levels of vitamin A in cats. J Anim Physiol Anim Nutr (Berl). 2003 Feb;87(1-2):42-51.

·          Gillen, J. 2003. Obligate Carnivore. Seattle, WA: Stein Hoist Books.

·          Lewis L., Morris M., Hand M. Small Animal Clinical Nutrition. 3rd Edn. Topeka, KS, US: Mark Morris Associates. 1987:2-3.

·          Peden J. 1999. Vegetarian Cats & Dogs. 3rd Edn. Troy, MT: Harbingers of a New Age.

·          People for the Ethical Treatment of Animals (PETA). Dog health survey. Unpublished. 1994. http://www.helpinganimals.com/h-vegcat-survey.html, 12 Aug. 2004.

·          Perry T. What's really for dinner?: the truth about commercial pet food. The Animals' Agenda. 1996. Nov. - Dec. http://www.preciouspets.org/truth.htm.

·          Smith C.A. Research roundup: changes and challenges in feline nutrition. J Am Vet Med Assoc. 1993;203:1395-1400.

·          Strieker MJ, Morris JG, Feldman BF, Rogers QR. Vitamin K deficiency in cats fed commercial fish-based diets. J Small Anim Pract. 1996 Jul;37(7):322-6.

·          Weisman E. Personal communication to Andrew Knight re: Evolution Diet vegan pet food. 24 Feb. 2004.

 

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